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Vier mystische Orte in München

Selbst viele Münchner ahnen nichts von der mystischen Bedeutung dieser Orte in der Altstadt.

Bei einem abendlichen Spaziergang durch die Münchner Altstadt wird es offensichtlich: München ist nicht nur Metropole, Universitätsstadt und architektonisches Kleinod - seine Viertel, Straßen, Häuser und Plätze sind bis heute vom Zauber und der Mystik vergangener Zeiten geprägt. Christopher Weidner hat sich mit diesem geheimnisvollen Erbe Münchens beschäftigt und entführt Leser in seinem Buch „Mystische Orte in München“ an die mystischen Orte der Stadt und lädt sie dazu ein, der Vergangenheit nachzuspüren. Wir präsentieren Ihnen im Folgenden vier Orte aus Christopher Weidners Buch, die Sie danach vielleicht mit anderen Augen sehen werden.

Brezen in der Heilig-Geist-Kirche

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Wer das Deckenfresko im Mittelschiff der Heilig-Geist-Kirche genauer betrachtet, wird etwas Merkwürdiges entdecken. Rechts neben dem Kopf eines edlen Schimmels ist ein Mann zu sehen, der eine Breze in der Hand hält. Dass das beliebte Gebäckstück ausgerechnet in einer Kirche künstlerisch verewigt wurde, hat einen Grund: Das skurrile Detail erinnert an einen Brauch aus dem 14. Jahrhundert, der im Heilig-Geist-Spital seinen Ursprung hatte. Die Münchner Kaufmannsfamilie Wadler verteilte einmal im Jahr rund 3.000 Brezen an bedürftige Bürger. Um Mitternacht auf den ersten Mai ritt der sogenannte Brezenreiter durch die Gassen, um die Ausgabe der Brezen zu verkünden.

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Fast ein halbes Jahrhundert hielt sich dieser schöne Brauch. Dann, im Jahre 1801, als in München Lebensmittelknappheit herrschte, kam es zu einem tragischen Zwischenfall: Als dem Reiter die Brezen ausgingen, zerrten die hungrigen Münchner ihn vom Pferd und prügelten ihn fast zu Tode. Der Stadtrat schaffte daraufhin das Brezenreiten ab. Doch der Brauch ist nicht in Vergessenheit geraten. Zum Stadtgeburtstag lebt er in den letzten Jahren wieder auf. Seit 2012 trägt sogar eine der Kirchenglocken der Heilig-Geist-Kirche den Namen „Brezenreiterglocke“.

Löwenrelief an der Fassade der Stadtsparkasse

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Unbewusst haben es die meisten Münchner wohl schon einmal bemerkt: An der Fassade der Stadtsparkasse im Tal, gleich beim Alten Rathaus, ist das Relief eines Löwen zu sehen. Doch wofür steht es? Christopher Weidner kennt die Antwort: Das Kunstwerk ist eines der ältesten Wahrzeichen Münchens und soll an das Tier erinnern, das dem Stadtgründer Heinrich dem Löwen einst seinen Namen gab. Eine Sage aus der Sammlung der Gebrüder Grimm beschreibt, wie es dazu kam:

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Nach einem Schiffbruch landet Heinrich auf einer Insel, auf der ein fürchterlicher Lindwurm sein Unwesen treibt. Heinrich wird Zeuge eines Kampfes zwischen dem Ungetüm und einem Löwen. Weil der Löwe zu unterliegen droht, kommt der Welfe ihm zu Hilfe und zusammen besiegen sie den Lindwurm. Seit dieser Begebenheit soll der König der Tiere Heinrich auf Schritt und Tritt begleitet haben. Weiter heißt es, dass sich der Löwe nach Heinrichs Tod auf sein Grab legte und nicht wich, bis er selbst verschied.

Das Wurmeck

Ähnlich tierisch wie an der Fassade der Stadtsparkasse geht es am sogenannten Wurmeck weiter. Selbiges befindet sich am westlichen Ende des Marienplatzes an der Kreuzung zur Weinstraße. An diesem Eck des Rathauses kriecht ein gewaltiger Drache mit aufgerissenem Rachen die Mauer hinauf und züngelt unermüdlich nach den Fußgängern, die das Rathaus passieren. Zwar kennen viele Münchner das unheimliche Fabelwesen, welche schaurige Geschichte dahintersteckt, wissen allerdings nur wenige: Laut einer alten Sage flog einst ein riesiger Lindwurm über die Stadt und blies seinen tödlichen Pesthauch in die Gassen. Daraufhin begann das große Sterben in München, das Alt und Jung, Arm und Reich gleichermaßen dahinraffte.

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Als der Lindwurm auf dem Marktplatz landete, um das von ihm angerichtete Unheil genauer zu betrachten, wurde er von einigen Männern mit einer Kanone zur Strecke gebracht. In Erinnerung an die schrecklichen Ereignisse nannte man diese Ecke des Marktplatzes fortan Wurmeck, und das Bild des unheilbringenden Lindwurms schmückt das entsprechende Haus.

Merkwürdige Burschen am Fischbrunnen

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Bleiben wir gleich auf dem Marienplatz. Den Fischbrunnen in der nordöstlichen Ecke des Platzes kennt wohl jeder Münchner. Aber wissen Sie auch, was es mit den drei merkwürdig gekleideten Figuren, die sich um die Säule in der Mitte des Brunnes tummeln, auf sich hat?

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Diese Darstellung geht zurück auf den sogenannten Metzgersprung, eine alte Tradition: Dabei stürzten sich die Metzgerlehrlinge bei der Übergabe ihres Gesellenbriefes kopfüber ins kalte Wasser des Brunnens. Außerdem wurden sie nach Art eines Taufritus untergetaucht und von ihrem Lehrlingsdasein freigesprochen. Zu diesem Anlass trugen die jungen Herren stets weiße Kleidung, an der unzählige Kalbsschwänze hingen. Der Metzgersprung wird übrigens seit 1995 wieder regelmäßig alle drei Jahre durchgeführt, das letzte Mal im September 2013.

Das Buch „Mystische Orte in München“ von Christopher Weidner ist beim Pichler Verlag in der Verlagsgruppe Styria GmbH & Co. KG erschienen. Preis: 24,99 Euro.