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König Ludwig II.: sein Leben

Was ist Mythos und was Wahrheit? Ein Überblick über die wichtigsten Fakten des Märchenkönigs.

Mondkönig, einsam, schwul und ein bisschen verrückt. Jeder glaubt etwas über König Ludwig II. zu wissen, doch was ist nur Mythos und was Wahrheit? Stimmt das Bild, das wir von Ludwig II. haben? Hier ein Überblick über Ludwigs Leben und die Fakten:

Ludwigs Kindheit

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Links steht Ludwig mit seinem Vater Maximilian II., seiner Mutter und Bruder Otto.

Ludwig erblickte 1845 in Schloss Nymphenburg die Welt. Die meiste Zeit verbrachte er, wie damals am Hof üblich, mit seiner Amme. Zu ihr behielt Ludwig sein Leben lang ein gutes Verhältnis. Das Verhältnis zu seinen Eltern war nicht ganz so harmonisch. Ludwig II. galt schon in jungen Jahren als Träumer und war damit das genaue Gegenteil seines Vaters König Maximilian II. Der galt als kühl und rational. Ein Mann, der für Technik und die Wissenschaften schwärmte. Maximilian II. erkannte und schätzte die Zeit der aufkommenden Industrialisierung. Ludwigs Mutter, eine Preußin aus dem Hause Hohenzollern, war etwas herzlicher. Anders als aber im Herrscherhaus der Preußen wurde Ludwig nicht im militaristischen Drill erzogen, sondern liberal, christlich und fast ein bisschen antimilitaristisch.

Verlobung und private Neigungen

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Ludwig II. mit seiner Verlobten Sophie von Bayern

Ein König musste heiraten und Kinder bekommen, das gehörte einfach zu seinen Pflichten als Monarch, schließlich musste die Dynastie fortgeführt werden. Dumm nur, wenn man eigentlich gar nicht auf Frauen stand. Im Alter von 20 Jahren verlobte sich Ludwig II. mit Sophie von Bayern, einem Spross aus einer Nebenlinie der Wittelsbacher und Schwester von Elisabeth, der berühmten Sissi, auch einer Münchnerin, die damals schon als Kaiserin von Österreich für Aufsehen sorgte. Die Hochzeit mit Sophie wurde angekündigt, die Einwilligung des Papstes eingeholt, alles stand bereit, doch in letzter Minute ließ Ludwig die Hochzeit platzen und die Verlobung lösen. Was die Öffentlichkeit nicht wusste: Sophie hatte zum damaligen Zeitpunkt schon ein Verhältnis mit einem anderen. Ludwig blieb unverheiratet. Seine Neigung zu Männern machte ihm sein Leben lang zu schaffen, er konnte seine Homosexualität nicht offen ausleben. Homosexualität galt als Krankheit. Schwärmerische Briefe und Männerfreundschaften von Ludwig sind belegt, echte Bettgeschichten nicht.

Ludwig und Richard Wagner

ludwig wagner

Richard Wagner

Im Alter von 17 Jahren hörte Ludwig II. zum ersten Mal eine Wagneroper und war verzaubert. Die fanatische Begeisterung für den Komponisten hielt ein Leben lang. Ludwig II. wurde zu Richard Wagners wichtigstem Förderer und Mäzen. Er ließ den damals hochverschuldeten Komponisten aufspüren und nach München bringen. Ludwig zahlte Wagners Schulden und finanzierte seine nächsten Werke. Der bedankte sich überschwänglich: „Diese Tränen himmlischster Rührung sende ich Ihnen..." Einige von Wagners Werken wurden in München uraufgeführt, darunter Tristan und Isolde. Ludwig hörte sich die geliebten Wagneropern zum Teil ganz alleine ohne Publikum an. „Ich kann keine Illusion im Theater haben, solange die Leute mich unausgesetzt anstarren...", so Ludwig. Der Einfluss Richard Wagners auf König Ludwig II. wurde so groß, dass dieser sogar auf politische Entscheidungen Einfluss nahm. Da wurde es den Ministern zu bunt und Wagner musste München wieder verlassen. Das Jahresgehalt an Wagner zahlte Ludwig trotzdem weiter.

Ludwig und der amerikanische Autor

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Edgar Allan Poe

Mit einem der großen amerikanischen Schriftsteller fühlte sich Ludwig regelrecht seelenverwandt, mit Edgar Allen Poe. Zwar lebte der Autor bei seiner Geburt schon nicht mehr, doch sein Werk kannte Ludwig. Poe gilt als Wegbereiter des Symbolismus, doch er war alles andere als ein verträumter Schwärmer, sondern ein analytischer Autor von Kriminal- und Horrorgeschichten mit einer Prise Fantastischem. Im Februar 1882 soll König Ludwig II. in einem Gespräch mit dem amerikanischen Journalisten Lew Vanderpoole gestanden haben: "Für mich ist Poe einer der größten Menschen, die je geboren wurden." Übrigens war Poe im 19. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum eher unbekannt. Erst zu Beginn des 20. Jahrhundert sollte sich das ändern.

Ludwig und die Politik

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Otto von Bismarck

Mit 18 Jahren, nach dem Tod seines Vaters Maximilians II., wurde Ludwig 1864 König von Bayern. Zu seiner Zeit existierte Deutschland als Staat noch nicht. Bayern war ein unabhängiges Königreich in einem losen deutschen Staatenbund. Von echter Demokratie konnte damals noch keine Rede sein, absolutistische Alleinherrschaft war es allerdings auch nicht. Ludwig regierte zwar „von Gottes Gnaden", aber mit einem Parlament und einer Verfassung und hatte viel Schreibarbeit zu erledigen. Ludwig tat sich mit seinen bürokratischen Pflichten schwer, auch wenn er sie bis zuletzt gewissenhaft erfüllte, bis in seine letzten Lebenstage las er wöchentliche Berichte und zeichnete sie ab. Doch das bürokratische Regieren und die Auseinandersetzungen mit den Ministern, dem Parlament und den Parteien lag Ludwig nicht. Er zog sich immer mehr aus dem verhassten München zurück. So wenig Ludwig II. die Politik auch schätzte, in seine Regierungszeit fiel eines der wichtigsten Ereignisse der Deutschen Geschichte: Die Deutsche Reichsgründung. Ludwig II. war alles andere als ein Freund dieser Idee Bismarcks und des mächtigen Preußens, schließlich bedeutete sie für ihn den Verlust seiner Souveränität. Doch es half alles nichts, Preußen war zu dominant und Bayern musste sich unterwerfen. Ludwig ließ sich für seine Unterschrift allerdings mit einem Millionenbetrag entschädigen, den er in seine Schlösserbauten steckte.

Berge und Einsamkeit

Die Liebe zu den Bergen bekam Ludwig von seiner Mutter mit. Sie nahm ihn schon als Kind mit in die Alpen. Je älter Ludwig II. wurde, umso mehr liebte er die Einsamkeit. „Ich werde mich am Sonntage wieder hinaufflüchten in die heilige Ruhe der Natur, in die reine Luft der Berge,...dort oben in der wonnigen Einsamkeit, auf Bergeshöhen werde ich die mir so notwendige Ruhe finden." schrieb er 1865 mit gerade mal 19 Jahren. Die Alpen romantisch zu verklären kam übrigens erst im 19. Jahrhundert auf. Einem Monarchen aus dem 18. Jahrhundert wäre so etwas nie in den Sinn gekommen. Er empfand die Bergwelt noch als bedrohliche Naturgewalt.

Ludwig und die Technik

König Ludwig II. lebte zur Zeit der Industrialisierung, also einem der bedeutendsten Umbrüche in der Geschichte. Glühender Stahl und dampfende Maschinen prägten diese Zeit und eine neue unsichtbare Kraft, die Elektrizität. Auch Ingenieure und Erfinder aus München und Bayern gestalteten dieses Industriezeitalter mit. Der erste Kühlschrank wurde von Karl Linde in München entwickelt. Ludwig II. half der ganze Fortschritt vor allem dabei, seine Visionen und Ideen umzusetzen. Am eindrucksvollsten gelang das in der Venusgrotte von Schloss Linderhof. Das magische blaue Licht erzeugte eine elektrische Beleuchtungsanlage, deren Dynamomaschinen als erstes Bayerisches Elektrizitätswerk gelten.

Der König von Mallorca

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Ludwig II. als Ludwig XIV.

Ludwig II. tat sich schon schwer, seine Macht zu teilen und zusammen mit einem Parlament und Ministern zu regieren. Gänzlich zuwider war ihm aber der Gedanke, dass Preußen nach der Reichsgründung 1871 das Sagen hatte und er nur noch ein unbedeutender fremdbestimmter Regent war. So ließ er schon zwei Jahre, nachdem Preußen sein Deutsches Reich in Versailles ausgerufen hatte, nach einer Insel suchen, auf der er wieder ganz alleine König und Souverän spielen konnte. Die ganze Welt wurde, mit dem Finger auf dem Globus, abgesucht. Nachdem zahlreiche Inseln und Inselgruppen ausschieden, stieß man schließlich auf Mallorca. Man überlegte ob man die Insel nicht den Spaniern abkaufen könne, um dort ein unabhängiges Königreich zu errichten. Allerdings erkannte man, dass diese Ideen wohl nicht nur wegen der hohen Kosten nicht zu verwirklichen sein würde, und alles blieb ein Traum.

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Der König und das gute Essen

Der König aß gut und gerne. Eine ebenso verständliche wie verhängnisvolle Mischung. Gespeist wurde am liebsten Französisch. Zu seinen Leibgerichten zählte auch das einfache Siedfleisch, also gekochtes Fleisch, früher in München sehr populär. In Wien kennt man es als Tafelspitz. König Ludwig liebte es, er ließ dafür extra bestes Beefsteak kochen. Ludwig ließ auch gerne für weitere Personen decken, allerdings waren die nur imaginär anwesend, etwa Persönlichkeiten aus dem 18. Jahrhundert wie Marie Antoinette oder der französische König Ludwig XIV. Im Alter wurde Ludwig II. zunehmend dicker und seine Kleidung immer opulenter. Ein bisschen wie bei Elvis Presley. Durch die unzureichenden medizinischen Möglichkeiten seiner Zeit bekam Ludwig faulige Zähne, hatte Zahnschmerzen und Mundgeruch.

Ludwig, beliebt bei den Bauern

So sehr Ludwig die Stadt München und seine Bewohner verabscheute, so wohl fühlte er sich bei der bäuerlichen Bevölkerung. Auf seinen Reisen ließ er oft anhalten, um mit Bauern ins Gespräch zu kommen. Auch feierte er häufig in einfachen Kapellen auf dem Land oder in den Bergen den Gottesdienst mit. Solche Geschichten sprachen sich in der Bevölkerung herum und steigerten die Beliebtheit des Königs in den ländlichen Regionen.

Der Tod

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Unglücksstelle im Starnberger See

Ludwig II. wurde am 8. Juni 1886 auf Betreiben der bayerischen Regierung durch mehrere Ärzte für „seelengestört" und „unheilbar" erklärt und entmündigt. Auslöser gaben wohl die vielen Extravaganzen des Königs, vor allem seine immer größer werdenden Schulden durch die Schlösserbauten und die zunehmende selbstgewählte Isolation. König Ludwig wurde in Neuschwanstein in Gewahrsam genommen und am 12. Juni nach Schloss Berg am Starnberger See gebracht. Am nächsten Tag unternahm er mit dem Arzt Bernhard von Gudden einen Spaziergang im Schlosspark am See. Als beide um 20 Uhr nicht zurück waren, suchten Männer mit Lampen und Fackeln nach ihnen. Gegen 22 Uhr fand man den König und von Gudden 25 Schritte vom Ufer entfernt im seichten Wasser treiben. Nach der offiziellen Darstellung wollte von Gudden Ludwig an einem Selbstmordversuch hindern und kam dabei selbst zu Tode. Was damals wirklich geschah, wird sich nie genau klären lassen. Das bleibt ein Teil des Mythos.

D.L.