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Die Löwen vor der Residenz

Warum es Glück bringen soll, den Löwen die Schnauze zu streicheln.

Warum fassen eigentlich alle im Vorübergehen einem der bronzenen Löwen vor der Residenz an die Schnauze? Weil unser Reporter, ein Nordlicht, die Frage einer Touristin nur unzureichend beantworten konnte, verordnete er sich eine Nachhilfestunde.

Ich kam aus dem „Franziskaner" und strebte dem U-Bahn-Eingang Odeonsplatz entgegen, als mich eine Londoner Touristin ansprach: was es denn, bitteschön, zu bedeuten habe, dass beinahe jeder Passant im Vorübergehen mindestens einem der vor der Residenz postierten bayerischen Löwen die Schnauze streichelt. „Das soll Glück bringen", antwortete ich höflich, aber unbestimmt. „Und woher stammt der Brauch?", wollte die Dame aus England wissen. Ich murmelte etwas vom bayerischen König Ludwig, dem Ersten. „Very interesting!", sagte die Besucherin, „aber wie kommt da der Löwe ins Spiel?"

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Hier musste ich nun leider passen. Mehr wusste ich nicht. Ich wünschte der Frau noch einen schönen Aufenthalt und verordnete mir, um meine mangelhaften Kenntnisse aufzufrischen, eine Stadtrundfahrt am nächsten Tag. Da wird die Geschichte nämlich ausführlich erzählt, in allen Sprachen übrigens. Ob sie sich haargenau so zugetragen hat oder im Laufe der gut anderthalb Jahrhunderte, die seither verstrichen sind, die eine oder andere Veränderung erfahren hat, ist wie bei allen guten Legenden unerheblich.

Loewe

Spott für die Geliebte des Königs

1848, im letzten Jahr der Amtszeit König Ludwigs I., zerrissen sich die Münchner in Wirtshäusern und anderswo die Mäuler darüber, dass der Monarch sich eine Geliebte hielt: die irische Tänzerin Lola Montez. Besonders lustig machten sich die Studenten. König Ludwig war darüber so erbost, dass er vorübergehend sogar die Universität schließen ließ. Aus Protest heftete ein junger Student eine Schmähschrift an die Pforte der Residenz. Das machte den König noch zorniger. Er setzte eine Belohnung auf die Ergreifung des Täters aus, was diesen wiederum dazu veranlasste, ein weiteres Dokument an der Eingangstür anzubringen, in dem er sich unerschrocken zu seiner Tat bekannte. Dabei wurde er von den Wachen beobachtet, festgenommen und sofort dem König vorgeführt.

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Erstaunlicherweise fand der Monarch nun aber Gefallen an dem Protestler. Er begnadigte ihn nicht nur, sondern ließ ihm auch noch die Belohnung auszahlen. Worauf der Student, der sich eben noch eine Zukunft im Kerker ausgemalt hatte, sein Glück kaum fassen konnte. Mit weichen Knien taumelte er ins Freie. In der einen Hand hielt er den Sack mit dem Geld, mit der anderen stützte er sich erschöpft an der Schnauze eines der mächtigen bronzenen Wappentiere ab. Die Passanten blieben stehen und applaudierten. Und es verbreitete sich das bis heute existierende Heilsversprechen: Wer dem Löwen die Schnauze streichelt, wird eines Tages mal viel Glück haben, vielleicht sogar einen Sack Geld nach Hause tragen.

Nur noch 2 Löwen – wo sind die anderen?

P.S.: Dass in diesen Tagen nur noch zwei Löwen vor der Residenz stehen, tut der Glücksverheißung keinen Abbruch, wie täglich zu beobachten ist. Auch nicht, dass es sich nur um Kopien handelt. Die anderen beiden, ebenfalls Nachbildungen, werden gerade restauriert und sollen bald wiederkommen. Die vier bronzenen Originale aber, des ewigen Betatschens müde und deshalb vor einiger Zeit zur Erholung und zum Aufpäppeln aus dem Verkehr gezogen, dürfen sich bald in ein neues Gehege zurückziehen, wo sie keine Streicheleinheiten mehr fürchten müssen: ins Museum der Residenz. Glück gehabt, Löwen!

A.O.