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Die Biergarten-Diät

Da Wahnsinn. Abnehmen auf Bayerisch. Mer sog I ned!

Der geübte Biergartenbesucher weiß, dass es in den traditionellen Gartenlokalen neben dem frisch gezapften Bier auch andere Leckereien gibt, die dem leiblichen Wohle dienen. Jeder kennt die berühmte Schweinshaxe mit Knödel oder den zünftigen Obatzda. Die Weißwurst mit süßem Senf ist für den Bayern das einzig wahre Frühstück und selbst der Steckerlfisch hat mittlerweile seinen festen Platz im Sortiment gefunden. Vor allem in der schönen Landeshauptstadt gehört der obligatorische Biergartenbesuch zum Pflichtprogramm eines gelungenen Sommers.

Auch auf dem Oktoberfest sehen wir uns einer großen Auswahl an Speisen gegenübergestellt. Das Angebot in den Bierzelten und an den Ständen trifft jeden Geschmacksnerv. Da fragt sich vielleicht der ein oder andere, wie er sich trotz ausgiebiger Schlemmereien vor dem gefürchteten Bierbauch schützen kann. Auch die Mädels wollen auf der Wiesn in ihr Dirndl vom letzen Jahr passen.

Wie packt man es an? Das Schlemmen ohne ein böses Erwachen, wenn die Saison vorbei ist? onesprime.de kämpft sich mit professionellen Tipps von Journalistin und Diplom-Oecotrophologin Bärbel Schermer durch den Irrgarten der Versuchungen. Gemeinsam beleuchten wir die versteckten Sündenfallen des Biergartens etwas genauer.

Das flüssige Brot

Ein Prosit der Gemütlichkeit: Die Hauptrolle in jedem Biergarten spielt natürlich das gute, alte Bier. Es ist eine Wohltat für hitzegeplagte Gemüter, sich ein kühles Bier zu gönnen. Der Begleiter für geselliges Zusammensitzen unter den Schatten spendenden Bäumen im Biergarten schlägt natürlich allein durch den Alkoholgehalt ordentlich zu Buche. Und wenn der Durst mal größer ist, können es schon mal ein paar Halbe werden. Doch was ist der Biergartenbesuch ohne den Gerstensaft? Ein Verzicht macht oft schlechte Laune und beleidigt den Wirt. Steht also der Genuss des “flüssigen Brotes” im Vordergrund, muss man sich das Brot an anderer Stelle eben sparen.

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Die richtige Mischung macht's

Hat man den Braten erst mal gerochen, fällt es schwer, an die überschüssigen Pfunde zu denken. Schnell gefährlich wird es, da sich die Schweinshaxn in der deftigen Bratensoße und an Knödel gekuschelt am wohlsten fühlt. Wäre es nicht auch schade, den hausgemachten Apfelstrudel zu verschmähen, der nur heute auf der Tageskarte steht? Der Hungrige hat prinzipiell auch nichts dagegen, sich mit all diesen Genüssen zu verwöhnen. Doch wer sich allzu sorglos hingibt, hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Journalistin Bärbel Schermer kennt die typischen Fallen, etwa fetten Schweinebraten, der mit der klassischen Knödelbeilage und deftiger Bratensauce kräftig zu Buche schlägt. Außerdem esse man von den meisten Speisen schlichtweg zu viel, weil wir oft gar nicht mehr merkten, dass wir schon satt seien, so die Ernährungs-Spezialistin. Um zu merken, wann es genug ist, brauche es oft nur ein wenig mehr Aufmerksamkeit, so Bärbel Schermer. Und wer langsam esse und gründlich kaue, sei obendrein viel schneller satt.

Keine Sorge also, am bayerischen Himmel schimmert Hoffnung für alle, die nicht radikal verzichten und trotzdem eine gute Figur machen wollen. Viele Gaumenfreuden sind nur halb so sündig, wenn man die Speisen richtig kombiniert. Warum nicht mal versuchen, die Haxe auf dem Teller mit frischem Salat bekannt zu machen? Das Hendl schmeckt auch, wenn man die fettige Haut weglässt. Möchte man aber auch auf die nicht verzichten, schenkt man sich eben das Dessert. Oder vielleicht teilt man sich kurzerhand auch einfach mal eine der reichhaltigen Portionen von Haxe oder Hendl mit den Begleitern.

Mittags darf´s ruhig mal mehr sein

Ob Weißwurst um elf, eine zünftige Brotzeit oder ein Abendessen mit Bekannten. Der Biergarten ist, was die Besuchszeiten angeht, sehr flexibel zu genießen. Egal, wann man beschließt, sich dort niederzulassen, für jeden Anlass gibt es die passende Verköstigung. Doch darf ich zu jeder Tageszeit schlemmen, bis die Lederhose spannt? Experten raten zu einem gesunden Frühstück als Grundlage für den Tag. Mittags darf das Essen dann auch mal etwas umfangreicher sein, je nachdem, wie schwer die Tätigkeit ist, der man nachgeht. Abends sollte man dagegen nicht allzu üppig schmausen, empfiehlt die Fachfrau: Der Stoffwechsel komme dann allmählich in die Ruhephase und der Körper lege überschüssige Energie in den unliebsamen Fettdepots ab. Nur an einer Karotte zu knabbern, wäre übertrieben. Wer aber vorhat, das volle Programm an Köstlichkeiten zu probieren, sollte sich abends eher zurückhalten. Hierfür kann man zum Beispiel kohlehydratreiche Nahrungsmittel wie Nudeln oder Reis weglassen. Warum dann nicht mal dem guten, alten Radi die Ehre erweisen?

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Die Biergarten-Tradition zelebrieren

Essen darf mitgebracht, Getränke müssen beim Wirt bestellt werden. Die freundlich, aber bestimmt formulierte Regelung prangt in den meisten Biergärten auf einem großen Schild zwischen den Tischen. Diesen Usus kann sich der gesundheitsbewusste Besucher zunutze machen. Denn welche Lebensmittel kann man besser kontrollieren als die eigenen, selbst zubereiteten? Oft sind in vermeintlich gesunden kalorienarmen Gerichten wie Salatsoßen oder Suppen große Mengen an Fett und Zucker verborgen. Also lieber schon zuhause, gemeinsam mit den Freunden, ein paar Snacks zaubern, einpacken und mitnehmen. Hier sind dem Feinschmecker keine Grenzen mehr gesetzt. Salate können mit zuckerfreien Essig-Öl Dressings, Kartoffelsalate ohne Mayonnaise angemacht werden. Und die individuelle Portionsmenge hat man selbst in der Hand. Von ballaststoffreichem Gemüse, Obst und Salaten darf es dann ruhig auch mehr sein. Versteckte Dickmacher haben so keine Chance, in unseren Körper zu gelangen.

Aktiv den Ausgleich schaffen

Wer viel Zeit mit sitzenden Tätigkeiten verbringt, sollte auf ein ausreichendes Maß an Bewegung achten. Diejenigen, die sich kulinarisch öfter einmal etwas gönnen, erst recht. Die bekennende Genießerin Bärbel Schermer verrät uns dazu ihr Rezept: Schwimmen und Joggen im Freien sorge nicht nur für gute Laune, sondern auch für eine positive Tagesbilanz. Der Körper verzeiht einem dann schon mal öfter die ein oder andere Sünde. Wer sich angewöhnt, die Treppe statt den Lift zu nehmen oder das Auto mal stehen lässt und aufs Fahrrad steigt, kann so einiges wieder gut machen. Bei all den Köstlichkeiten, die es in Bayern zu probieren gibt, sind radikale Verzichte ein böser Spielverderber.

Essen macht nun mal glücklich. Wer generell in Maßen schmaust und sich regelmäßig bewegt, tut sowohl Seele als auch Leib etwas Gutes. Also schwingt man sich für den Weg zum Biergarten am besten auf sein Radl und strampelt seine Maß vorsichtshalber schon mal ab. Aber Vorsicht, fließt das Bier im Groben, wird nach Haus' geschoben!

Aufmacherfoto: Boscopix/Tonya Pullich

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