deen

france italy spain russian emirates japanese chinese portugese 

Die aufregende Geschichte der Lederhose

Oktoberfest ohne Lederhose: kaum vorstellbar. Doch wie hat sie ihren Weg dahin gefunden?

Ein bayerisches Volksfest, eine Fahnenweihe oder manch andere traditionelle Festlichkeit ist ohne sie kaum vorstellbar – und das Münchner Oktoberfest sowieso nicht. Ohne Zweifel: Die Lederhose gilt als ein echt bayerisches Kulturgut. Auch wenn ihre Wurzeln streng genommen gar nicht im bayerischen, ja, nicht einmal im deutschen Raum liegen.

Als Urahn der heute als Volkstracht bezeichneten Lederhose gilt nämlich die französische Culotte, eine höfische Kniebundhose, die meist aus Samt oder Seide gefertigt wurde. In den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts begann die bäuerliche Bevölkerung des Alpenraums, Geschmack an dem feinen Zwirn des Adels zu finden. Ganz allmählich löste die Culotte in der Folgezeit die schweren Pluder- und Pumphosen der Bauern ab. Da die Hose im Stall und auf dem Feld natürlich ganz anderen Belastungen standhalten musste als etwa bei einem edlen Bankett zu Hofe, fertigte die einfache Bevölkerung „ihre“ Culottes aus strapazierfähigem Leder. Die Lederhose war geboren!

Der Weg zum Oktoberfest war lang

Doch bis zum heute beobachtbaren Trachten-Trend jenseits von Bierzelt und Blasmusik war es für das lederne Beinkleid noch ein langer Weg. Zu verdanken hat die Lederhose ihren Siegeszug vor allem, wie sollte es auch anders sein, einem Sepp. Joseph Vogl und seine Stammtischbrüder beschlossen 1883 gegen den Verfall der Traditionen und ganz besonders gegen das deutschlandweite Aufkommen der Lodenhose zu protestieren. Deshalb ließen sie sich beim Schneider althergebrachte, kurze lederne Arbeitshosen fertigen. Sechs Männer in Lederhosen reichten natürlich nicht aus, um eine ganze Modebewegung loszutreten. Also gründeten die Herren kurzerhand den ersten Trachtenverein.

Als die sechs Gründungsmitglieder in ihren gewagten Beinkleidern an einem Sonntag die Kirche von Bayrischzell betraten, ernteten die Herren jedoch nichts als Spott von der Gemeinde. Noch unangenehmer war die Reaktion der Kirche, die in den kurzen Hosen einen Verstoß gegen die guten Sitten sah. Ein Skandal! Zum Glück für Sepp und seine Freunde erwies sich der damals amtierende König Ludwig II. als wahrer Trachtenfan, der von ihrer Idee begeistert war. In den nächsten Jahren begannen immer mehr Adlige, Städter und Intellektuelle, die einstige Arbeitskleidung der Bauern zu tragen und sorgten so für einen wahren Lederhosen-Boom.

Die Artenvielfalt an Lederhosen auf dem Oktoberfest

Wohl nicht zuletzt diesem Boom ist es zu verdanken, dass wir heute bei einem Gang über die Münchner Wiesn einer ungeheuren Artenvielfalt an Lederhosen begegnen können. Man findet hier einfach alles, von kurz über knie- bis knöchellang: verzierte und bestickte Krachlederne, schmucklose, enge Plattlerhosen, die beim Schuhplatteln getragen werden, Stiefellederhosen mit eng anliegenden Beinen und mittlerweile sogar bunte Lederhosen. Doch eins ist sicher: Scheint es auch in Sachen Lederhosen-Design heutzutage kaum noch Grenzen zu geben, in einer zünftigen Hirschledernen sehen junge Burschen und gestandene Männer einfach am feschesten aus.