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Der Schelling Salon – eine Münchner Legende

Das Eckhaus Schelling-/Barerstraße beherbergt seit 1872 ein Traditionslokal, das zu den bekanntesten der Stadt zählt: der Schelling Salon – bis heute Treffpunkt für Spieler und Biertisch-Philosophen.

Hier verkehrten so bahnbrechende Künstler, wie Bertolt Brecht, Wassily Kandinsky, Henrik Ibsen, Franz Marc, Joachim Ringelnatz, Rainer Maria Rilke und Ödön von Horváth. Hier lernte Franz Josef Wagner Andreas Baader kennen, Gerhard Polt hat in seiner Jugend dort mit Schachspielen etwas Geld verdient und Gabriele Münter wurde eines Abends hier Paul Klee vorgestellt. Unzählige Geschichten und Anekdoten ranken sich um das  Schwabinger Café das die Künstler einst und auch heute noch anzieht. Wenn man es genau nimmt, liegt das neobarocke, mit einem bunt verzierten Türmchen versehene Gebäude, im Stadtbezirk Maxvorstadt. Aber wegen seiner großen Bedeutung für die Künstlerbohème Münchens, wird der Schelling Salon meist Schwabing zugeordnet.

Als der Unternehmer Sylvester Mehr, 1872 mit dem „Schelling-Hof“ den Vorläuferbetrieb des eigentlichen Schelling Salons eröffnet, liegt das Grundstück am grünen Stadtrand des noch dörflichen München. Zunächst als Gartenwirtschaft angelegt, bestehen die Gäste häufig aus Trauer-Gemeinden des nahgelegenen Nordfriedhofs, die sich hier zum traditionellen Leichenschmaus einfinden.
Bis zur Jahrhundertwende ist der Schelling-Hof so beliebt, dass sich der Sohn Engelbert Mehr, zu umfangreichen Aus- und Umbauten entschließt. Bis 1911 entsteht so das bekannte Eckhaus, das bis heute den Schelling Salon beheimatet.
Das Erdgeschoss lässt Mehr im Stile eines der in dieser Zeit sehr beliebten Wiener Kaffeehauses einrichten, samt Leseecken und mehreren Billardtischen, die auch heute noch fester Bestandteil der Wirtschaft sind. Rasch wird der jetzt unter dem heutigen Namen firmierende „Schelling-Salon“ zum Treffpunkt der intellektuellen Eliten, der Exzentriker und der Politiker.

So konnte man hier allmorgendlich einen gewissen „Herrn Meyer“ beim Frühstückskaffee sitzen sehen. Der Gast war niemand anders als Wladimir Iljitsch Uljanow, später bekannt als Lenin, der im Sommer 1900 während seines politischen Exils auch einige Zeit inkognito in München lebt.
Nach dem Ersten Weltkrieg wird München zunehmend zu einem Sammelbecken radikaler politischer Ideen und Gruppierungen, denn in der Schellingstrasse residiert die Reichsleitung der jungen NSDAP. Mutig verweigert man sich hier aber dem Ungeist der Nazis. Adolf Hitler, ein noch wenig bekannter verkrachter Künstler, erhält schließlich Hausverbot im Schelling Salon, wegen seiner lautstarken Hassreden und auch weil er seine Rechnungen nicht bezahlt.  

Bis heute bleibt die Gaststätte authentisch, offen und gesellig. Menschen unterschiedlichen Alters und aller Gesellschaftsschichten kommen hier zusammen, um Billard oder eine Partie Schach zu spielen, oder um bei Bier und Schweinsbraten über das Leben zu philosophieren.
Seit 2002 wird der Schelling-Salon in vierter Generation von Evelin Mehr geführt, die mit viel Umsicht dafür sorgt, dass der Charme und die einzigartige Atmosphäre dieses lebendigen Geschichtsdenkmals für die Gäste erhalten bleibt.

Schelling-Salon
Schellingstraße 54
80779 München
Tel. 089-2720788
www.schelling-salon.de