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Jochen Busse: "Ich liebe München"

Er spielt vor vollen Häusern. Seine Vorstellungen als Regisseur sind ausverkauft. Sein Solo-Programm als Kabarettist lief bereits 150 Vorstellungen, weitere 50 folgen. Die Rede ist von Jochen Busse.

Bekannt geworden ist der gebürtige Westfale mit dem unvergleichlichen, stets leicht manierierten Timbre durch seine Mitwirkung im Ensemble der Münchner Lach- und Schießgesellschaft rund um Dieter Hildebrandt. In diesen 10 Jahren von 1980 bis 1990 entwickelte er sich nicht nur zu einer kabarettistischen Legende, er entdeckte auch seine Liebe zu München. Noch heute – Jochen Busse lebt inzwischen mit seiner Familie in Berlin – fühlt er sich München verbunden und überlegt gelegentlich sogar, seinen Wohnsitz wieder hierher zu verlagern.

Bild 7 1024x680Zu nationaler Showgröße brachte es Busse in der Talkshow „7 Tage, 7 Köpfe“. Der satirische Wochenrückblick galt in den Jahren 1996 bis 2005 als das Aushängeschild von RTL. Busse gab darin neben Rudi Carell, Gabi Köster, Mike Krüger oder Kalle Pohl „in bekannt liebenswürdiger Art“ den Moderator. Er beendete damals jede Sendung mit den Worten: „Bitte bleiben Sie uns gewogen.“ Und das Publikum blieb Jochen Busse gewogen – bis zum heutigen Tage. Trotz seines fortgeschrittenen Alters von 73 Jahren, in dem viele nur noch gemütliche Runden über den Golfplatz drehen, beweist Jochen Busse, dass er eines ist: in Top-Form.

 

jochen busse 2Sein Terminkalender ist randvoll: Im September 2014 feierte er als Regisseur mit dem Theaterstück „Eine ziemlich heiße Nummer“ in München in der „Komödie im Bayerischen Hof" Premiere. Von Oktober bis November geht es auf Tour mit seinem Soloprogramm „Wie komm ich jetzt da drauf?“. Im Februar 2015 seht Busse wieder selbst auf der Bühne, im Theater an der Kö in Düsseldorf. Er mimt in der Boulevard-Komödie der „Pantoffel-Panther“ einen schlecht gelaunten Grantler und Spießbürger der Extraklasse, der plötzlich zum Profi-Killer mutieren soll.

Für alle drei Stationen gilt: Es darf herzlich gelacht werden! Erst wenn sich sein Publikum vor Lachen sprichwörtlich die Schenkel klopft, ist Jochen Busse zufrieden. „Menschen zum Lachen zu bringen, ist für mich das Allergrößte – allabendlich.“ Das mag trivial und wenig kunstvoll klingen. Doch das Gegenteil ist der Fall. „Geschichten so zu erzählen, dass sie auch für das Theater passen, Pointen zu entwickeln, die das Publikum mitreißen, das ist sehr wohl eine Kunst. Vielleicht nicht ernst, aber ernsthaft.“ Warum die Kritiker das Boulevard-Theater nicht lieben, dafür hat Busse auch eine Erklärung parat: „Kunst ist grundsätzlich frei. Aber offenbar darf sie dich, zumindest in Deutschland, auch über Stunden hinweg langweilen, brüskieren, schockieren, selbst anekeln." Kopulation als Subversion. So etwas wird vom Feuilleton gefeiert. Hauptsache, es gibt keinen Grund zum Lachen.

Darum kämpft Jochen Busse für das Boulevard-Theater, möchte es am Leben erhalten, am Ende womöglich sogar wieder zu neuer Blüte führen. Und er feiert große Erfolge damit. Sein Stück "Achtung Deutsch" lief bis 14. September im Theater an der Kö in Düsseldorf und wurde bei den Privattheatertagen in Hamburg als "Beste Komödie" mit dem Monica-Bleibtreu-Preis ausgezeichnet.

 

11 Heisse Nummer vonQuast Vester Rizos Wildner FotoNeumannIn München brachte er im Sommer seine Version von „Eine ganz heiße Nummer“ auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Das Stück erzählt von einem streng katholischen, niederbayerischen Dorf, das durch einen handfesten Sexskandal erschüttert wird. Denn nachdem der örtliche Tante-Emma-Laden nichts mehr abwirft, versuchen drei resolute Damen – großartig und dialektreich gespielt von Saskia Vester, Teresa Rizos und Andrea Wildner – der Pleite durch die Gründung einer Sex-Hotline zu entgehen. Mit selbstgedruckten Handzetteln und dem Slogan "Das Allerbeste aus unserer Heimat" werben "Maja", "Sarah" und "Lolita" für ihre ganz heiße Nummer. Was die bigotte Bürgermeistersgattin – in Person der wunderbaren Veronika von Quast – auf keinen Fall durchgehen lassen kann. Herrlich charmant und urkomisch.

 

Fotos: Imago / jochenbusse.de