deen

france italy spain russian emirates japanese chinese portugese 

Freibier! Auf a Hoibe mit Reinhard Vinzenz Gampe

Freibier! ist eine neue Rubrik. MUC.TIPS trifft sich mit einem Interviewpartner und in einer entspannten Atmosphäre hat das Gegenüber Gelegenheit von sich und aus seinem Leben zu erzählen. Das Gespräch dauert mindestens so lange, wie es braucht um gemeinsam ein Bier zu trinken.

Reinhard Vinzenz Gampe macht Rockmusik. Americana aus Bayern nennt er es. Er singt auf Bayerisch über das Leben, die Liebe und die Arbeit, darüber was ihm in den Jahren als Student, Lastwagenfahrer, später als Grafiker, heute als Musiker und immer noch Trucker alles so passiert.

„I Red Ned Gern“ heißt einer seiner Songs. Das stimmt natürlich so nicht, denn der Musiker und Alltagsphilosoph traf sich – ganz in Plauderlaune – zum Gespräch mit MUC.TIPS an einem milden Oktoberabend an der Reling der Alten Utting. Die Location wurde nicht ohne Grund gewählt, denn das kommendes Album soll den Titel „Dampfschiff“ tragen.

MUC.TIPS: Erstmal Prost! Schön, dass du Zeit für uns hast.

Reinhard Vinzenz Gampe: Prost!

MUC.TIPS: Wieso eigentlich Dampfschiff?

R.V.G: Die Idee dahinter ist folgende: Das Dampfschiff steht ja für eine alte Technik. Und das ist gerade so eine Geschichte, die mich total umtreibt, nämlich dass es zwingend endliche Industriezweige gibt. Das Thema haben wir ja gerade im Hambacher Forst. Was musst du von Althergebrachtem über Bord werfen, wenn du in die Zukunft schaust. Das heißt im Privaten: Wie wird man älter, anders als man es seinen Eltern oft vorgeworfen hat. Nicht altklug, selbstzufrieden und besserwisserisch.

Darum geht es doch auch bei den Energiekonzernen. Die wollen doch lieber noch zwanzig Jahre lang Braunkohle abbauen, weil es einfach ein gutes Geschäft ist. Da hängen so viele Widersprüche drin und das sollte man seinen Kindern nicht aufbürden.

Und im Privaten ist es bei mir genauso. Dass ich überprüfe, welche von meinen angenommenen Lebensweisheiten überhaupt noch Sinn machen. Ich frage mich halt, wie gehe ich um mit den alten Mustern auf meiner letzten Strecke, in meinen letzten zwanzig Jahren. Und ich bin ja auch so ein Nostalgiker. Finde ich auch total schön. Mit alten Gitarren machst du wenigstens nix kaputt – mit Kohlekraftwerken eben schon.

MUC.TIPS: Wie gehst du ran an die neuen Songs? Hast du schon welche geschrieben?

R.V.G: Ein paar neue Sachen haben wir schon, die wir live bereits auch spielen. Die kommen sicher mit drauf. Und dann setz ich mich auch hin und probiere neue musikalische Ideen aus. Bisher war es meistens so, dass der Evert (Evert van der Wal, Drummer, Multiinstrumentalist und Produzent. Anm. d. Red.) einen Song fast fertig hatte und ich hab dazu dann den Text gemacht. Diesmal gehe ich es ein wenig anders an. Ich möchte mehr eigene Musik beitragen und erst dann ins Studio gehen, wenn klare Songstrukturen stehen. Also klassisches Songwriting auf der Gitarre. Neulich haben wir auf der Pressekonferenz zur Neuhauser Musiknacht unplugged ein paar Stücke gespielt. Eines davon war ein „Rohling“, also ein Stück, dass noch nicht ganz ausgereift ist. Das habe ich dann auf dem Banjo gespielt. Richtig schön.

MUC.TIPS: Ihr seid doch eine Band die sich auf der Bühne präsentiert. Warum gibt es kein Live-Album von euch?

R.V.G: Den Gedanken hatten wir auch schon. Aber da ist es halt so, dass ein Programm zu einhundert Prozent sitzen sollte. So ein Konzert musst du wirklich abgehangen spielen, sonst bist du nicht zufrieden damit. Dann neigt man zum nachbearbeiten, das kostet oft einen Teil dieser besonderen Atmosphäre. Und wir gehen ja fast alle in der Band auch noch einem Job nach und spielen unterm Strich noch zu wenig live.

MUC.TIPS: Du bist ja vor einiger Zeit weg von München, nach Wasserburg gezogen. Wie gehts dir damit?

R.V.G: Ich hab mich inzwischen eingelebt. Wasserburg tut mir total gut. Ich habs heute beim reinfahren wieder gemerkt, wie brutal hektisch es in München zugeht. Also, was du hier Zeit verballerst, um von A nach B zu kommen ist der Wahnsinn. Dadurch war ich auch immer gehetzt und oft geschafft. Jetzt komme ich in Wasserburg langsam zur Ruhe und gehe manche Dinge wesentlich entspannter an. Das kommt sicher auch meiner Musik zugute.

MUC.TIPS: Sind Konzerte von euch in Planung?

R.V.G: Wir spielen weiter ein- bis zweimal im Monat mit der Band. Daneben habe ich auch in Wasserburg angefangen Musik zu machen. Mit Annemarie Zoller, einer Akkordeonspielerin, gibt es demnächst zwei Auftritte in Wasserburg. Die macht wunderschöne, einfache aber anrührende, chansonartige Lieder. Und in Waldkraiburg ist ein Songwriterabend geplant, auf dem ich solo auftreten werde. Einfach um das mal auszuprobieren. Mit der Band wollen wir versuchen, etwas über Oberbayern rauszugehen und ein paar mehr Leute zu erreichen. Auf Festivals spielen ist da auch immer gut. Auf jeden Fall werden wir uns z. B. fürs Heimatsound-Festival 2019 bewerben. Nicht zuletzt, weil es einfach aufregend ist, vor einigen tausend Menschen zu spielen. Das reizt einen halt auch, so schön unsere Clubkonzerte immer sind.

Wir bauen das Ganze kontinuierlich auf. Auf unsere Art eben. Ansonsten einfach mal auf unsere Webseite gehen. Da stehen alle Neuigkeiten und Termine.

MUC.TIPS: Reinhard, wir bedanken uns für das nette Gespräch und dass du dir Zeit für uns genommen hast. Alles Gute für dich und viel Erfolg mit dem neuen Album. Wir sehen uns sicher auf einem deiner nächsten Konzerte wieder.

 

Gampe & Band Live:
https://www.youtube.com/watch?v=_2pm8cmBy0o
www.gampe-music.com