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Braunbär der Familie Mann

Das Familienmaskottchen der Mann-Familie steht im Literaturhaus in München.

baer jkrohn 2010 1Da stand in der großen Diele zwischen den riesigen Mahagonischränken und der mächtigen Lübecker Truhe der ausgestopfte sibirische Braunbär aufrecht auf seinem schwarzen Sockel und hielt mit den scharf bewehrten Vordertatzen die dunkelrote russische Holzschale für die Visitenkarten. („Wir waren fünf“ von Viktor Mann)

Welch langwährenden Erinnerungen die Mann-Kinder an ihren heiß geliebten russischen Braunbären hegten, ist nicht nur in Viktor Manns Werk „Wir waren fünf“, sondern auch in den „Buddenbrooks“ von Thomas Mann nachzulesen. Dort heißt es: „Übrigens haben sie den Buddenbrooks ein prachtvolles Geschenk mitgebracht; einen mächtigen, aufrechten, ausgestopften braunen Bären mit offenem Rachen...“

Was hat es mit dem Familienmaskottchen auf sich?

Als Geschenk von Onkel und Tante Sievers, Verwandte der Mann-Eltern, eroberte der ausgestopfte Braunbär schnell die Herzen der Familie. Vom elterlichen Sitz in Lübeck siedelte der Bär im Jahre 1892 zusammen mit Julia Mann nach München um, bis er 1914 in der Villa von Thomas Mann in der Poschinger Straße seine neue Bleibe fand. Als der berühmte Schriftsteller 1933 von den Nationalsozialisten ins Exil gezwungen wurde, kaufte der Münchner Geschäftsmann Josef Michael Matt den Bären und stellte ihn im Schaufenster seines Lederwarengeschäfts in der Sendlinger Straße aus. Über vierzig Jahre lang durften Münchner und Touristen das eindrucksvolle Geschöpf auf ihren Shoppingtouren bewundern, wobei den wenigsten klar war, welche unglaubliche Geschichte es mit dem Bären auf sich hat.

Der Bär wurde als Dauerleihgabe der Stadt München übergeben

Nach dem Tod von Michael Matts Tochter Maria wurde der Laden im Zentrum Münchens aufgelöst. Ihr Erbe, Thomas Kleinsteuber, gab den Braunbären als Dauerleihgabe an die Stadt München. Seither steht das Tier im dritten Obergeschoss des Literaturhauses in München. Stolz und furchteinflößend für jene Besucher, die ihm unwissend über den Weg laufen. Bei dem Gedanken daran, wie die jungen Mann-Kinder respektvoll seine Tatze berührten, begreift man jedoch die faszinierende Geschichte, die hinter dem aufgerissenen Maul steht – und ist erfreut, dass der Bär nach seinen vielen Reisen hier ein schönes, dauerhaftes Zuhause gefunden hat.

Adresse: Stiftung Buch-, Medien- und Literaturhaus München am Salvatorplatz 1

Weitere Informationen unter: www.literaturhaus-muenchen.de